QS MANAGEMENT

Im November 2008 wurde ein Meilenstein für die österreichischen Rinderhalter erreicht, indem Actiprot® als GVO-freies Eiweißfuttermittel anerkannt wurde. Mit dem Tag der erfolgreichen Akkreditierung durch die agroVet GmbH ist es aber nicht getan. Jeder verkaufte LKW Actiprot® muss den Richtlinien zur Herstellung gentechnikfreier Lebensmittel entsprechen. Im Werk arbeiten 10 Mitarbeiter ausschließlich für die ständige Einhaltung dieser Qualitätsparameter. Rund die Hälfte des Analyseaufkommens im Werk betrifft futtermittelrelevante Qualitätskriterien. Bereits um 6 Uhr in der Früh beginnen die ersten Rohstoffübernahmen, die im Zwei-Schichtbetrieb bis 22 Uhr absolviert werden. Bei Nassmaiskampagnen läuft die Qualitätskontrolle rund um die Uhr. Eine lückenlose Erfassung der Rohstoffe, die laufende Überprüfung der Produktionsparameter bis hin zur sachgemäßen Probenziehung und Analyse im modern ausgestatteten Betriebslabor sind somit garantiert.

Der Rohstoff auf dem Weg in das Bioethanolwerk

Aufgeladen auf einen 25 Tonnen LKW ist der erste Stopp der Rohstoffe beim Portier am Werksgelände in Pischelsdorf. Jeder LKW muss vor der Einfahrt in das Werksgelände registriert werden. Alle Dokumente und Begleitpapiere werden überprüft, das Gewicht aufgezeichnet, erst dann darf der LKW in das Werksgelände einfahren. Im letzten Jahr ist das Getreide zu 75% aus Österreich gekommen. Vor allem durch die schlechten Witterungsverhältnisse in der Vegetationsperiode 2008 wurden zu geringe Weizenqualitäten für die Lebensmittelverarbeitung erreicht. Das Getreide wurde somit an das Bioethanolwerk geliefert. Neben Weizen und Triticale wird Mais verarbeitet. Der zusätzlich benötigte Rohstoff kommt nur aus jenen benachbarten Staaten, in welchen der Anbau gentechnisch veränderten Saatgutes untersagt ist.

Analyse des Rohstoffes

Der zweite Stopp wird direkt vor der Abladegosse eingelegt. Vier Probestecher fahren über den Rohstoff und entnehmen genau nach QS Schema mindestens 20 kg Probemuster an verschiedenen Stellen. Durch einen Probenteiler fällt das Muster in zwei Vorbehälter und wird sofort im angeschlossenen Labor analysiert. Durch Handsiebung werden Schmachtkorn, Bruchkorn, Schädlinge und Verunreinigungen festgestellt. Bei jeder Anlieferung werden die Inhaltsstoffe wie Stärke und Protein mittels High-Tech-Analytik kontrolliert. Die Gehalte an Mykotoxinen (Pilzgiften) und gentechnisch veränderten Organismen werden mit Hilfe von „Schnelltests“ untersucht. Die Mykotoxinanalysen gehen sehr schnell und sind bereits so genau, dass sie auch bei gerichtlichen Streitfragen als Beweis anerkannt werden. Ist das erste Ergebnis positiv, wird ein zweiter Test zur Kontrolle durchgeführt. Ein Muster dieser Probe wird zur Gegenkontrolle in das Labor der Zuckerforschung Tulln GmbH geschickt. GVO Tests werden nur beim Rohstoff Mais durchgeführt, weil für Weizen und Triticale keine gentechnisch veränderten Sorten in Europa zugelassen sind. Zusätzlich werden von jeder Anlieferung noch Wochendurchschnittsmuster gebildet und extern zu einer aufwendigen HPLC Analyse weitergeleitet. Durch diese Verfahren wird der geforderte Richtwert beim Mykotoxin Deoxynivanelon (DON) mit 1.250 ppb und bei Zearalenon (ZEA) mit 100 ppb eingehalten. Der zweite Teil jedes Musters wird als Rückstellmuster bis zu einem Jahr aufbewahrt. Bei Reklamationen können damit sämtliche Werte nachgeprüft werden. Wenn alle Grenzwerte eingehalten werden, wird der Rohstoff freigegeben und der LKW darf entladen. Das Agranawerk hat nur drei Verladegossen für die Rohstoffannahme und Actiprotverladung. Eine straffe Organisation der Logistik ist daher für einen reibungslosen Ablauf notwendig.

In der Ethanolanlage

In Pischelsdorf stehen für die Lagerung der Rohstoffe 12 Silos mit einem Fassungsvermögen von je 800-900 Tonnen zur Verfügung. Pro Tag werden 1.200-1.500 Tonnen Weizen und Mais verarbeitet. Die Lagerzeit beträgt maximal 1 Woche. Eine weitere Lagerverpilzung und Bildung von Mykotoxinen kann somit ausgeschlossen werden. Der erste Schritt in der Produktion ist die Vermahlung des Getreides, anschließend wird es mit Wasser und einem Enzymen-Zusatz eingemaischt. Pischelsdorf arbeitet nach dem sogenannten „Batchverfahren“. Bei diesem Verfahren wird jede Einheit im Fermenter neu angesetzt. Die Anlage erreicht somit eine höhere Produktivität durch eine erhöhte Alkoholkonzentration in der Maische. Im Gegensatz dazu laufen die meisten europäischen Bioethanolanlagen mit einer kontinuierlichen Vergärung der Maische oder auch im Kaskadenverfahren. Die mittlere Gärzeit im Fermenter beträgt 60 Stunden. Anschließend wird das Bioethanol in einer Maischekolonne abgetrennt und an den Sümpfen der Kolonne die entalkoholisierte Maische, die sogenannte Schlempe, abgezogen. Am Ende des Prozesses entstehen aus Getreide ca. ein Drittel Ethanol, ein Drittel Nassschlempe und ein Drittel „umwelt-neutrales“ Kohlendioxid. Traditionell wurde früher die Nassschlempe direkt von der Destillation abgeholt und verfüttert. Restalkoholgehalte in der Schlempe waren dabei möglich. In den letzten Jahren wurde die Technik weiterentwickelt und heute laufen die Prozesse unter der Prämisse einer maximalen Ethanolausbeute. In Pischelsdorf sind von der Nassschlempe bis zum fertigen Produkt weitere Verarbeitungsschritte zwischengeschaltet. Über eine Dekanterzentrifuge wird die Nassschlempe in eine feste und flüssige Phase getrennt: Der „Wetcake“ oder Kuchen – mit einem Trockenmassegehalt von 30-35% – und die Klar- oder Dünnschlempe -mit einem Trockenmassegehalt von 6-8% – entstehen. Die Klarschlempe wird in Verdampfungsapparaten zur Dickschlempe oder zum „Sirup“ eingedickt, und am Ende wieder mit dem Kuchen vermischt. In den kontinuierlichen Trommel-Trockner wird bei Temperaturen um die 85ºC die Restfeuchte verdampft. Ethanol hat einen Siedepunkt von 78ºC. Ein etwaiger Restgehalt von Alkohol würde im Trockner verdampfen. Zum Schluss wird die trockene Schlempe pelletiert.

PRODUKTINFORMATIONEN

AGRANA Stärke GmbH
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